Firma gründen.
Sozialversicherung verstehen.
AHV, BVG, KTG, UVG — vier Buchstabenkürzel, vier Entscheidungen. Wir zeigen, was Pflicht ist, was Standard und wo sich eine individuelle Lösung wirklich rechnet. Inklusive Checkliste, mit der du dich aufs Beratungsgespräch vorbereiten kannst.
Pflicht, halbpflichtig, freiwillig.
Diese Tabelle ist die Landkarte. Jede Zeile ist eine Versicherung, die du als Arbeitgeber organisieren musst — oder bewusst weglassen kannst, wenn es die Situation zulässt.
| Säule | Versicherung | Status | Wer zahlt | Lohn-Basis | Beitragssatz |
|---|---|---|---|---|---|
| 1. Säule | AHV / IV / EO Altersrente, Invalidenrente, Erwerbsersatz. Grundlage des Schweizer Sozialsystems. | Obligatorisch | AG + AN je hälftig | Brutto-Lohn · kein Plafond | 10.6 % 5.3 % AN + 5.3 % AG |
| 1. Säule | ALV (Arbeitslosenversicherung) Lohnersatz bei Arbeitslosigkeit. Solidaritätsbeitrag über dem Plafond. | Obligatorisch | AG + AN je hälftig | Bis CHF 148’200 / darüber Soli | 2.2 % + 1.0 % je 1.1 % bis 148’200 · je 0.5 % darüber |
| 1. Säule | FAK (Familienzulagen) Finanziert Kinder- und Ausbildungszulagen. Kantonal stark unterschiedlich. | Obligatorisch | AG zahlt alleine | AHV-pflichtiger Lohn | 1.2 – 3.4 % ZH 1.2 % · BE 1.95 % · TI 2.35 % |
| 2. Säule | BVG (Berufliche Vorsorge) Pensionskasse. Ergänzt AHV/IV. Eintrittsschwelle 2026: CHF 22’680. | Obligatorisch | AG min. 50 % · Rest AN | Koord. Lohn (max CHF 64’260) | 7 – 18 % altersabhängig + Risikoprämien |
| 2. Säule | UVG-BU (Berufsunfall) Suva oder Privatversicherer — Branchenzuteilung definiert die Wahl. | Obligatorisch | AG zahlt voll | UVG-Lohn bis CHF 148’200 | 0.05 – 4 % Branche: Büro 0.1 % · Bau 4 % |
| 2. Säule | UVG-NBU (Nichtberufsunfall) Greift ab 8 h/Woche bei AN. Sinnvoll, dass AG zahlt — gilt als Lohnbenefit. | Obligatorisch | AN (AG kann übernehmen) | UVG-Lohn bis CHF 148’200 | 1 – 2 % Branchenabhängig |
| 2. Säule | KTG (Krankentaggeld) Nicht obligatorisch — aber bei Verzicht haftet AG nur 3 Wo bis ~6 Mt nach OR 324a. | Faktisch Pflicht | Frei verhandelbar (oft 50/50) | AHV-Lohn, oft Plafond CHF 300’000 | 0.7 – 2.5 % je nach Branche + Wartefrist |
| 3. Säule | 3a (gebundene Vorsorge) Privat — vom Lohn nach Abzügen. Voll steuerlich abzugsfähig. | Freiwillig | Privatperson | Erwerbseinkommen | max CHF 7’258 Selbständige ohne PK: max 36’288 |
Werte Stand 2026. AHV-Sätze und BVG-Schwellen werden jährlich vom Bundesrat angepasst. Kantonale FAK-Sätze gelten am Geschäftssitz oder Wohnsitz Selbständige.
Diese Zahlen entscheiden Pflicht und Kosten.
Lohnhöhe ist nicht egal. Sie definiert, ob jemand BVG-versichert ist, wo das Obligatorium endet und wo individuelle Lösungen einsetzen müssen.
Über CHF 90’720 endet das Obligatorium.
Ohne Überobligatorium, Kaderplan oder 1e-Lösung fallen Inhaber- und Schlüssellöhne in eine Vorsorge-Lücke. Hier sind die fünf Bausteine, mit denen wir das auffüllen.
Den gesamten Lohn versichern.
Lohnanteile über CHF 90’720 werden freiwillig versichert — typisch bis CHF 300’000 oder höher. Höhere Sparbeiträge, höhere Rente, mehr Einkaufspotenzial mit Steuerhebel.
Separate Vorsorge für Schlüsselpersonen.
Eigene Sammelstiftung oder Kader-Stiftung mit höheren Sparbeiträgen (15–25 %), aufgestockten Risikoleistungen und klarer Abgrenzung vom Basis-Plan.
Eigene Anlagestrategie wählen.
Lohnanteile zwischen CHF 132’300 und 900’720 individuell anlegen — Mitarbeiter wählt selber zwischen 0–100 % Aktien. Kapitalbezug bei Austritt möglich, steuerlich interessant.
Lohnanteile über CHF 148’200.
Über der UVG-Grenze zahlt die obligatorische Unfallversicherung nichts mehr. Mit UVGZ wird der vollständige Lohn versichert — Pflicht bei Geschäftsführerlöhnen.
Standard-Plafond bei CHF 300’000 reicht nicht immer.
Höhere Löhne erfordern Sondervereinbarung oder Ergänzungsdeckung — sonst entstehen genau dort Lücken, wo das Ausfallrisiko am höchsten ist (Schlüsselpersonen).
Probier es aus — drei Rechner, sofort.
Anstatt im Versicherungs-Vergleich nur Preise zu sehen, schau dir an, was passiert. Lohnnebenkosten, 3a-Inhaber-Hebel, BVG-Sparbeitrag — live mit den Schweizer Werten 2026.
Lohnnebenkosten-Rechner.
Was kostet ein Brutto-Lohn deine Firma wirklich? Und was bleibt netto beim Mitarbeitenden? Wir rechnen AHV · ALV · BVG · UVG · KTG · FAK live auf.
Werte 2026 · AHV 5.3 % AN+AG · ALV 1.1 % AN+AG bis 148’200 (darüber 0.5 % Soli) · BVG-Sparbeiträge altersabhängig + 3 % Risiko/Verwaltung (50/50). FAK nur AG.
3a-Inhaber-Optimierung.
Wie viel kannst du in die 3. Säule legen — und wie viel Steuern sparst du dadurch? Selbstständige ohne PK haben den grössten Hebel.
Marginalsatz aus ESTV-Tarifen 2026 vereinfacht abgeleitet — exakter Wert beim Steuer-Beratungstermin. Tranchen reduzieren die Bezugssteuer signifikant (Progression bricht).
BVG-Sparbeitrag-Live-Rechner.
Pensionskassen-Sparen für eine konkrete Person. Zeigt koordinierten Lohn, Sparbeitrag heute und Kapital-Aufbau über 10 / 20 / 30 Jahre — Standard-Plan vs. Überobligatorium.
Koord. Lohn = min(BVG-Max 90’720 oder Überobli-Lohn) − Koord.abzug 26’460. Sparbeiträge altersabhängig — Tabelle aus BVG-Reglement-Standard. Projektion mit 1.5 % Verzinsung p.a.
Standard oder individuell — wo lohnt sich was?
Eine reine Standard-Lösung deckt 80 % der Fälle ab. Aber bei Kaderlöhnen, Branchenrisiken oder besonderen Lohnstrukturen rechnen sich individuelle Bausteine schnell. Hier unsere unabhängige Einschätzung pro Bereich.
Anschluss an eine Sammelstiftung (AXA, Helvetia, Swiss Life, Vita) mit BVG-Mindestleistungen. Plug-and-play, geringer Verwaltungsaufwand.
Eigene Stiftung, höhere Sparbeiträge (bis 25 %), Kaderpläne mit Überobligatorium, 1e-Pläne ab Lohn CHF 132’300 mit selbst gewählter Anlagestrategie.
Suva-Branche oder Privatversicherer für nicht-Suva-pflichtige Branchen. Deckung bis CHF 148’200 — reicht für Mehrheit der Angestellten.
Lohnanteile über CHF 148’200, Invaliden- und Hinterlassenen-Renten ergänzen. Höhere Taggeld-Sätze (90–100 % statt 80 %).
80 % Lohn, 60 Tage Wartefrist, 730 Tage Leistung. Kollektivvertrag mit Erfahrungstarif. Plafond bei CHF 300’000 Lohn.
Wartefrist 30 / 14 / 0 Tage, 90–100 % Deckung, Lohnsumme über Plafond, Kader-Sonderkonditionen, kürzere Risikokarenz.
Mitarbeitende sind privat KVG-pflichtversichert. AG nicht beteiligt — keine Verträge nötig.
Kollektivvertrag mit CSS / Helsana / Concordia / Swica / Sympany — Rabatte 5–15 % auf VVG-Zusatz für Mitarbeitende.
Betriebshaftpflicht (5–10 Mio.), Sach-Versicherung (Inventar, Geschäftseinrichtung), Gebäudeglas.
Cyber-Versicherung, D&O (Geschäftsführerhaftpflicht), Rechtsschutz Betrieb, Berufshaftpflicht je nach Branche (Architekten, Ärzte, IT).
Was Pflicht ist — und was du gestalten darfst.
Die 2. Säule kennt ein Minimum, das du nicht unterschreiten kannst — und nach oben sehr viel Spielraum. Die 3. Säule ist komplett individuell, dafür der stärkste Steuerhebel für Inhaber.
Obligatorium = Minimum.
Sparbeiträge 7–18 % je nach Alter, Risikoleistungen, Mindestzinssatz auf Sparkapital. Diese Werte gelten immer. Du kannst sie nicht unterschreiten — aber gezielt nach oben anpassen.
- →Höhere Sparbeiträge (z.B. 20 % statt 18 %)
- →Überobligatorium für Löhne über CHF 90’720
- →Verteilung AG / AN (z.B. AG 60 % statt 50 %)
- →Kaderpläne mit Sonderbeiträgen
- →1e-Pläne (eigene Anlagestrategie ab CHF 132’300)
- →Wahl der Stiftung (Sammel- vs. eigene)
- →Anlagestrategie der Stiftung (defensiv – ausgewogen – offensiv)
Komplett freiwillig — dafür voll individuell.
Säule 3a (gebunden, voll steuerlich abzugsfähig) und 3b (frei, ungebunden). Als Inhaber:in nutzt du den Steuerhebel doppelt: privat + auf der Firmaseite via PK-Einkäufe.
- →Anbieter wählen (Bank / Versicherung / Online: Everon, VIAC, finpension)
- →Anlagestrategie (Cash bis 100 % Aktien)
- →Tranchen-Strategie (3–5 Konten für gestaffelten Bezug)
- →Bezug für Wohneigentum (WEF), Selbstständigkeit oder Pensionierung
- →Selbstständige ohne PK: bis CHF 36’288 / Jahr (20 % vom Lohn)
- →Säule 3b für flexible Vermögensbildung ohne Bezugseinschränkung
38 Punkte, die wir mit dir durchgehen.
Drucke die Liste aus (siehe Print-Button unten) oder hake sie vor dem Termin durch. So sparen wir dir 30 Minuten und du weisst, wo du noch unsicher bist.
Vor der Gründung
- Rechtsform geklärt? (Einzelfirma vs. GmbH vs. AG — beeinflusst AHV-Status + Sozialversicherungen)
- Geschäftsplan + Lohnstrategie für die ersten 12–24 Monate
- Geplante Mitarbeitendenzahl + Lohnniveau (BVG-relevant)
- Branche definiert (UVG-Tarif, BVG-Risikoklasse)
- Inhaberlohn definiert (bei GmbH / AG: Selbstanstellung)
1. Säule — sofort bei Gründung
- AHV-Anmeldung als Arbeitgeber bei kantonaler Ausgleichskasse
- AHV-Status als Selbstständig (bei Einzelfirma) bestätigen lassen
- FAK-Anschluss (kantonal — Familienzulagen)
- EO-Beiträge sind in AHV inkludiert (kein Extra-Setup)
2. Säule — vor erster Lohnzahlung
- BVG-Stiftung wählen (Sammelstiftung oder eigene)
- Sparbeiträge definieren — Mindest oder Überobligatorium?
- Kaderplan für Geschäftsleitung sinnvoll?
- UVG-Anschluss: Suva-pflichtig oder Privatversicherer?
- UVG-Zusatz (UVGZ) bei Löhnen > CHF 100k
- KTG-Lösung definieren (Wartefrist, Deckung, Plafond)
Personenversicherungen — optional
- Kollektiv-Krankenkasse als Benefit (ab 10+ MA)?
- Mutterschaftszusatz (über 14 Wochen EO hinaus)?
- Vaterschaftszusatz (über 2 Wochen EO hinaus)?
- 3a-Förderung für Mitarbeitende kommunizieren
Sach + Haftpflicht
- Betriebshaftpflicht (mind. CHF 5 Mio. Deckung)
- Sach + Inventar (Brand, Wasser, Diebstahl)
- Cyber-Versicherung (bei Online-Geschäft)
- D&O (Geschäftsführerhaftpflicht) für GmbH / AG
- Rechtsschutz Betrieb (Arbeitsrecht, Vertragsrecht)
- Berufshaftpflicht (branchenspezifisch)
Lohnabrechnung + Compliance
- Lohnsumme jährlich an Ausgleichskasse melden
- BVG-Lohnsumme jährlich an Stiftung melden
- UVG-Lohnsumme jährlich melden (Prämien-Anpassung)
- Quellensteuer für ausländische Mitarbeitende
- Spesenreglement von kantonaler Steuerverwaltung genehmigt
- Mehrwertsteuer-Anmeldung (ab CHF 100k Umsatz pflichtig)
Inhaberseite (privat — oft vergessen)
- 3a-Konto mit Plan zur Vollausschöpfung (Tranchen über 3–5 Konten)
- Eigene PK-Einkäufe planen (CHF 30k – 100k pro Jahr · Steuerhebel)
- Risikoleistungen für Familie prüfen (Tod, Invalidität)
- Vorsorgeauftrag + Testament regeln (Geschäftsnachfolge!)
- Lohn / Dividende-Strategie steuerlich optimiert
Welche Rechtsform passt zu deinem Vorhaben?
Wir gehen mit dir Schritt für Schritt durch — Rechtsform, Sozialversicherungen, Vorsorge, Steuerstrategie. Eine Person, ein Festpreis, transparente Notarkosten. Du bist nie alleine.